Der WissensTrainer


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1. Vorwort

Viele Vokabeltrainer sind auf dem Markt; viele wurden probiert und wieder enttäuscht zur Seite gelegt. Lediglich professionelle Programme, von den Verlagen zu einem Schulbuch geschrieben, sind und bleiben im Einsatz.

Sechs Jahre suchte ich ein LERNprogramm, das diesen Namen verdient. Alle mir bekannten Vokalbeltrainer PRÜFEN mehr oder weniger gut, welche Vokabeln man kennt und welche nicht. Woher man sie kennt und wie man sie lernt, ist ihnen meist gleichgültig. Ich suchte ein Programm, das die biologischen Grundlagen des Lernens berücksichtigt: das Ultrakurzzeit-, das Kurzzeit- und das Langzeitgedächtnis sowie die Vergessensvorgänge (Vergessenskurven) im Langzeitgedächtnis. Ich suchte ein Programm, das wirklich beim Lernen HILFT.

Eine erste Version begann ich1990, als meiner Tochter der Englischunterricht bevorstand; sie entstand in dBase, konnte nicht kompiliert werden und war auf kleinen Geräten nicht lauffähig. Auch waren viele Möglichkeiten, wie z.B. das Festlegen der Lernrichtung, noch nicht aufgenommen und hätten schwerlich noch eingearbeitet werden können. Dennoch zeigte sich die Effektivität des Lernalgorithmus in beeindruckender Weise.

Als ich selbst dann Französisch lernen wollte, war dies der Startschuß für eine umfangreichere, völlig neu konzipierte Version in Turbo Pascal. An den eigenen Erfahrungen und Anforderungen und an denen der vielen Schüler und Kollegen, die inzwischen damit lernen, wuchs das Programm.

Hier ist nun das Ergebnis, das bereits verbreitet im Einsatz und daran gewachsen ist und sich bewährt hat. Durchaus "amateurhaft" geschrieben, ist es dennoch ein unglaublich effektives und vielseitiges Instrument, welches das immer notwendige und immer gehaßte Auswendiglernen zu einem einzigen Erfolgserlebnis macht. Die Windowsversion hat Steffen Becker geschrieben, ein Schüler von mir, der gerade Abitur macht.

Das Programm fragt, kurz bevor man vergessen hat - und das funktioniert!!

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2. Die Funktion des Gedächtnisses

2.1 Aufbau

Unser Gehirn nimmt ständig wahr: was gesprochen wird, welche Geräusche im Hintergrund sind, welche Farben die Wände, die Büsche oder Bäume haben, welche Bewegungen um uns herum sind, was wir dabei empfinden. Das wenigste von diesen Unmengen an Eindrücken können wir später erinnern. Und es ginge ja auch gar nicht, so überwältigend viel ständig im Kopf bereit zu haben. Hier hat die Natur geholfen und drei Gedächtnisstufen entstehen lassen, die aus diesen Eindrücken diejenigen heraus filtern, die "wichtig" sind.

2.1.1 UKZG

Das Ultrakurzzeitgedächtnis spiegelt die ganze Vielfalt des Gesehenen, Gehörten, Gerochenen und Empfundenen in einer Art von Schwingungen oder Wellen wider, die aber auch wieder ausklingen, und zwar nach ungefähr 25 bis 30 Sekunden. Eine Telefonnummer im Telefonbuch zum Beispiel wird gelesen und kann aus dem Gedächtnis sofort gewählt werden. Kurz darauf ist sie wieder vergessen. So findet die erste Auswahl statt, damit wir nicht "in einer Informationsflut ertrinken".

2.1.2 KZG

Eine solche Schwingung des Ultrakurzzeitgedächtnisses kann aber ein Molekül formen, gewissermaßen einen Abdruck entstehen lassen. Dieser Abdruck in einem Molekül ist aber auch noch nicht sehr haltbar, es zerfällt nach ungefähr 20 bis 25 Minuten. Diese Gedächtnisstufe nennt man das Kurzzeitgedächtnis. Besonders kraß sichtbar wird diese Gedächtnisstufe oft nach einem Schock, zum Beispiel bei einem Unfall, bei dem der Betroffene später nicht mehr sagen kann, wie es zu dem Unfall gekommen ist: Die letzten 20 Minuten sind ihm aus dem Gedächtnis radiert.

2.1.3 LZG

Auch an diesem "weichen" Molekül voller Erinnerung kann ein weiteres sich formen: Eine "Kopie" der Erinnerung wird aus einem dauerhaften Material angefertig, welches nie wieder zerfällt. Im Langzeitgedächtnis geht nichts mehr verloren - es kann aber (leider - oder gottseidank?) verschüttet werden. Ich denke hier unwillkürlich an einen Schreibtisch, auf den ein Notizzettel nach dem anderen abgelegt wird. Man finde mal einen wieder! Und umgekehrt weiß jeder, was ihm wieder einfallen kann: Ein Name, wenn er an die Begegnung mit dieser Person denkt, Englischvokabeln, wenn er in England ist, Kindheitserinnerungen, wenn er von seiner Kindheit erzählt: Irgendwo in der Nähe von diesen muß der gesuchte Zettel doch sein! Ein aufgeräumter Schreibtisch, mit nach Themen sortierten Zetteln, würde uns vieles erleichtern.

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2.2 Funktionsweise

Wie funktioniert nun diese Auswahl? Welche Informationen gelangen in das Langzeitgedächtnis? Und wie hält man Ordnung auf diesem "Zetteltisch"?

2.2.1 "anknüpfen"

Zunächst zum ersten: Was gelangt ins Langzeitgedächtnis? Uns interessieren hier eigentlich nur zwei Wege: Zum einen kann uns etwas, das wir einmal kurz wahrnehmen - hören oder sehen -, an etwas Bekanntes erinnern. Dann wird es gewissermaßen sofort ins Langzeitgedächtnis übernommen werden - es wird als wichtig, als "bemerkenswert" erkannt. Aber das hilft uns beim Lernen von Vokabeln oder ähnlichem nicht weiter; zu selten sind die Vokabeln, die uns an das deutsche Wort, ein Fremdwort, an ein Lied oder an sonstwas erinnern. Manche Gedächtnistrainingskurse funktionieren darüber, gezielt neue Informationen an Bekanntes oder Bildhaftes anzuknüpfen.

2.2.2 bewußt erinnern

Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit, dem Gehirn zu signalisieren, daß eine neue Information merkenswert, wichtig ist: Wenn man nämlich kurz vor Ablauf des "Verfallsdatums" sie sich gezielt wieder ins Bewußtsein ruft (deshalb macht das Programm notfalls eine Pause). Aber das ist im Alltag nicht so einfach: Ich höre einen Namen, den ich mir merken will. Also erstmal möglichst einige Sekunden an etwas anderes denken und dann den Namen wieder erinnern. Hat man zu lange an etwas anderes gedacht, ist er weg ... Ja und dann nochmal an etwas anderes denken und nach ungefähr 15 Minuten sich wieder erinnern; aber wer erinnert mich daran, daß 15 Minuten um sind? - Aber dennoch: So funktioniert Lernen, so kann man systematisch etwas auswendig lernen!

2.2.3 langfristig sichern

Jetzt zum zweiten: dem Langzeitgedächtnis. Wir alle kennen und wissen es: Da lernen Schüler ein, zwei Tage für die (Vokabel) Arbeit, und wenn sie zwei Wochen später gefragt werden ... Es ist noch da, viel mehr, als man denkt, aber man hat keinen Zugang mehr, es ist "verschüttet". Wissenschaftler haben "Vergessenskurven" aufgestellt, und auch hierbei ist klargeworden: Wenn das Wissen in größer werdenden Abständen wieder erinnert wird, bleibt es anschließend wieder länger, viel länger im Zugriff. Dies ist nur zu sinnvoll: Was wir häufig benötigen, haben wir auch am sichersten als Wissen bereit - was wir nie benötigen, "vergessen" wir. (Es bleibt aber im Kopf, wenn es einmal im Langzeitgedächtnis war!)

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3. Das Konzept des WissensTrainer

3.1 Lernkonzept

Die Aufnahme einer Vokabel, eines Wissensbrockens ins Langzeitgedächtnis wird im Programm von mir NEULERNEN genannt, das Wiederholen, um die Vokabeln im Zugriff zu behalten und jederzeit zu wissen, wird im Programm KARTEIKASTEN-LERNEN genannt oder SICHERN. Diese beiden Lernteile gehören zusammen und machen das Programm so wirksam und hilfreich.

3.1.1 Neulernen

Beim Neulernen bekommt der Lernende, der BENUTZER, die Vokabel gezeigt, muß sie anschließend sofort wiedergeben, bekommt sie nach ungefähr 18 Sekunden wieder als Frage vorgesetzt und anschließend nochmals nach ungefähr 12 Minuten. Was nicht gewußt wurde, gilt als ungelernt, man lernt es halt noch mal. Das Erstaunliche ist, daß dies kaum vorkommt: Wenn die Frage kommt, weiß man die Antwort noch! Das funktioniert tatsächlich! - Man darf natürlich nicht mittendrin Kaffee trinken gehen oder ein längeres Gespräch führen. Deshalb weist das Programm darauf hin, daß dieser Lernschritt sehr zeitkritisch ist und konzentriert und "flott" durchgeführt werden muß.

Dieses "zeitlich gesteuerte" Lernen kann ebenso ohne Computer durchgeführt werden, und viele Lernende folgen unbewußt dieser Methode: Drei bis vier Vokabeln durchlesen, jede ohne Blick ins Buch sofort wiederholen. Anschließend alle vier aus dem Kopf wiederholen und die nächsten vier lernen. Als Abschluß - und möglichst mit einer Pause davor - nochmals alle gelernten Vokabeln durchgehen. So lernen viele effektiv aus dem Buch, aber häufig sind nach ein paar Tagen oder Wochen die meisten Vokabeln wieder vergessen.

3.1.2 Karteikasten lernen

Das Sichern durch das Karteikasten-Lernen funktioniert genauso "zeitgesteuert", nur in größeren Zeitabständen. Am Tag nach dem Neulernen bekommt man die Vokabel als Frage vorgesetzt, wenn man sie gewußt hat, nach nochmals zwei Tagen wieder, dann vier Tage später, dann acht, dann sechzehn Tage später - nach frühestens 32 Tagen gilt sie im Programm als endgültig gelernt. Dieses Ruhen der Vokabeln wird durch größer werdende Fächer eines Karteikastens oder höher werdende Stapel von Karten verbildlicht: Im Fach 1 oder auf dem Stapel 1 ruht eine Vokabel einen Tag, im Fach 2 zwei Tage, im Fach 3 vier Tage usw. - Und auch hier gilt: Die Vokabel wird gewissermaßen gefragt, kurz bevor man sie vergessen hat - dadurch merkt man sie sich! Auch hier muß man natürlich regelmäßig an das Programm gehen! War man einige Tage nicht dran - und das ist nicht schlimm!!! - beobachtet man gleichzeitig, daß die zuletzt gelernten am unsichersten "sitzen" - von diesen, die ja eigentlich am Tag nach dem Neulernen dran gewesen wären, sind mehr vergessen als von denen, die seit acht Tagen (Fach/Stapel 4) gelegen haben. Dann kriegt man sie halt wieder vorgesetzt; so viele sind es nicht, die vergessen wurden; dem Programm geht keine durch die Lappen; ich lern´ sie schon ... - Ich habe beobachtet, daß dies eher zu regelmäßiger Arbeit motiviert, weil der Lernvorgang und der Lernfortschritt so offensichtlich werden.

3.1.3 Zufallsabfrage

Später, wenn schon viele Vokabeln endgültig gelernt wurden, kann eine Zufallsabfrage zur Wiederholung, zum Spaß oder zur Selbstbestätigung durchgeführt werden. Was dann "vergessen" wurde, fällt zurück in die Lernstufe des Karteikastenlernens (Fach/Stapel 1). Diese Zufallsabfrage wird auch in den Lernpausen vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis angeboten.

Eine Vokabel wird also mindestens achtmal gefragt: dreimal beim Neulernen und fünfmal zum Sichern. Dies klingt nach ungeheurem Arbeitsaufwand, aber dieser ist durch das spezielle Konzept der Programmbedienung so gering geworden, daß der offensichtliche Lernerfolg den Arbeitsaufwand sofort gerechtfertigt erscheinen läßt: 20 neue Vokabeln sind mit 9 Minuten Arbeit im Kopf, 100 gelernte Vokabeln sind in 10 Minuten wiederholt! (Bei schriftlicher Antwort hängt dies natürlich von der Geschwindigkeit beim Tippen ab.)

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3.2 Bedienungskonzept

Der WissensTrainer ist als Karteikarten-System veranschaulicht. Jede Karteikarte kann vorne und hinten beschrieben sein oder werden: Jeweils stehen sieben Zeilen mit je 40 Buchstaben zur Verfügung. Prinzipiell enthält eine Karteikarte einen Wissensbrocken, also z.B. eine Vokabel. Der viele Platz erlaubt aber auch Redewendungen, Grammatikbeispiele, Konjugationstabellen oder andere ausführlichere Formulierungen. Das Programm merkt sich zu jeder Karteikarte, wann sie gelernt wurde und wie oft sie schon wiederholt wurde. Deshalb dürfen niemals mehrere Vokabeln auf eine Karte geschrieben werden, weil jede Vokabel für sich gefragt - und gewußt oder vergessen wird.

3.2.1 eingeben

Die Eingabe der Vokabeln ist der belastendste und hinderlichste Brocken Arbeit für jemanden, der schnell viele Vokabeln lernen will. Für das normale Lernen der Vokabeln, die ein Schüler als Hausaufgaben erhält, bleibt dies im Rahmen; und Schüler haben mir versichert, daß sie nicht mehr Arbeit als vorher hineinstecken, jetzt aber die Vokabeln dauerhaft wissen. Darüber hinaus habe ich aber dem Programm bequeme Export- und Importfunktionen zu geben versucht, mit denen man seine Karteikarten (Vokabeln) ohne den Lernstand auf Diskette speichern kann (das nennt sich EXPORT) und ein anderer sie in seinen Karteikasten aufnehmen kann (das nennt sich dann IMPORT).

3.2.1 abfragen

Wenn man nun also Vokabeln importiert hat, sei es selbst oder von jemand anderem geschrieben, dann geht´s erst richtig los: Die Vokabel oder Redewendung braucht nicht umständlich und zeitraubend eingetippt zu werden, sondern man spricht sich laut die Antwort vor und vergleicht seine Antwort mit der, die auf dem Bildschirm erscheint, sobald man die Leertaste gedrückt hat.

3.2.3 entscheiden

Und jetzt entscheidet der Lernende selbst, ob er die Antwort richtig hatte: Er drückt "j" für [j]a, wenn er sie gewußt hatte, und "n" für [n]ein, wenn er sie nicht gewußt hatte. Meist wird also nur abwechselnd [Leertaste] - [j]a gedrückt und dazwischen die Übersetzung gesprochen. Lehrer, denen ich dieses Programm (ohne genauere Erläuterung der Hintergründe) gezeigt habe, kritisierten sofort dieses Konzept: Der Schüler kann beschummeln, er wird nicht kontrolliert. Ich glaube, wir Lehrer wollen gerne selbst kontrollieren, - und wenn nicht wir, dann wenigstens der Computer, aber möglichst mit Buchführung, damit wir dann doch noch den Schüler kontrollieren können. Ich habe dieses Programm aber auch geschrieben, um selbst Französisch zu lernen, und ich betrüge mich genausowenig wie die vielen Schüler, die das Programm inzwischen benutzen. Im Gegenteil: Die Bedienung ist so einfach und das Abfragen geht so schnell, daß bei den paar vergessenen Vokabeln eher Trotz einsetzt: "Wart nur, dich krieg ich auch noch in den Kopf - ich drücke auf [n]ein, dann lern ich dich schon noch!" Denn der Computer erhält so die Möglichkeit, sie nochmals in kleineren Zeitabständen anzufragen. Er wird vom Lernenden schnell als echter Helfer erkannt.

3.2.5 schriftlich antworten

Etwas schwieriger ist das Problem der Rechtschreibung, wenn die Antworten nicht eingetippt werden. Aber erstens sieht man das Wort mindestens achtmal, das Schriftbild prägt sich ein, und zweitens gibt es noch den Unterrichtszusammenhang, in dem das Wort verwendet wird. Es wäre vom Arbeitsaufwand her unsinnig und sogar dem Lernen abträglich, würde der WissensTrainer achtmal die Eingabe jeder gelernten Vokabel fordern und dann genaueste Übereinstimmung der Antwort mit dem Verlangten erwarten! So aber kann jeder nach seiner Schreibgeschwindigkeit häufiger oder seltener schriftlich antworten. Meine Empfehlung für ungeübte Schreiber: Die letzte Wiederholung beim Neulernen sollte schriftlich durchgeführt, aber großzügig bewertet werden - durchlassen ins Fach 1 bzw. auf Stapel 1. Beim Karteikastenlernen sollte man darauf achten, daß alle Karten des Faches 2 schriftlich beantwortet und hier streng bewertet werden; sie wird dann am nächsten Tag wiederholt, und man erinnert sich an den Rechtschreibfehler!

3.2.5 genug gelernt!

Auch sehr motivierend ist die Tatsache, daß das Programm dem Lernenden mitteilt: Du bist fertig für heute - nichts mehr zu tun. Das Programm macht Lernvorschläge, die beim normalen Vokabellernen so aussehen: Beim Start des Programms werden die alten Vokabeln wiederholt, soweit sie fällig sind. Anschließend erscheint die Aufforderung, neue Vokabeln einzutippen, die danach sofort zum Neulernen angeboten werden. Danach steht das Programm im Hauptmenü und wartet, daß es beendet wird. Es läßt sich nichts mehr lernen - man ist fertig.

Für eine zusätzliche Wiederholung, falls "morgen" ein Test ansteht, gibt es eine weitere Lernstufe am gleichen Tag: Läßt man das Lerngebiet drei Stunden vollständig ruhen, so können die neugelernten Vokabeln nochmals wiederholt werden - nur die aus Fach 1. Sie wandern aber hier nicht weiter ins Fach 2, sondern verbleiben im Fach 1, werden also am folgenden Tag wieder abgefragt. Deshalb kann man auch hier großzügig bewerten, falls man den Eindruck hat, sie morgen zu wissen. (Das ist häufig der Fall!)

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