Lernen lernen
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Der Arbeitsplatz
1. Gestaltung und Bestandteile
- Lernen ist Arbeit. Eine konzentriert arbeitende
Sekretärin verbraucht mehr Kalorien als ein Bauarbeiter,
nachgewiesen! Auch die Anspannung der Muskulatur beim
Lernen ist messbar hoch. Wenn Eltern von ihren Kindern
ernsthaftes Lernen erwarten, dann schulden sie ihnen
einen guten Arbeitsplatz.
- Der Arbeitsplatz sollte funktional und
gemütlich sein. Man will sich nämlich auch gerne
daransetzen, ohne dabei abgelenkt zu werden. Hier ist
also Fingerspitzengefühl und Selbstbeobachtung
notwendig: Man muss herausfinden, was schön und
gemütlich macht, aber nicht ablenkt. Wichtig ist dabei
auch, Ordnung auf dem Tisch zu halten. Dies ist nicht
schwer, wenn er als reiner Arbeitsplatz begriffen wird
und sich nicht CDs, Turnschuhe und Comics darauf türmen.
Am Schreibtisch soll nur
gearbeitet werden. Dies ist psychologisch bedeutsam,
es ist wichtig für die innere Arbeitshaltung. Ein fester
Arbeitsplatz fördert die Fähigkeit zu sagen: "Hier
und jetzt wird gearbeitet." Dies erreichen einige
z.B. durch regelmäßiges Arbeiten am Küchentisch -
weit genug entfernt von der gemütlichen Atmosphäre und
den Ablenkungen des eigenen Zimmers, aber leider auch zu
weit weg von Hilfsmitteln wie Duden, auf deren Benutzung
man dann zu häufig aus Bequemlichkeit verzichtet.
- Jeder Schüler hat eine eigene Körpergröße. Folglich
muss für günstige Sitzhaltung der Schreibtischstuhl
in der Höhe verstellbar sein, ebenso in der Tiefe:
Die Rückenlehne soll auch "nach vorne und
hinten" einstellbar sein.
- Ein Regal zur Ablage von nicht benötigten Heften
und Büchern sollte sich in der Nähe befinden.
Möglicherweise genügen auch die Fächer und Schubladen
des Schreibtisches - Privatkram raus!
- Das Lernplakat ist eine feine Sache: Gut sichtbar
vom Schreibtisch aus befestigt man ein Bild, das einem
gefällt, sei es von Bon Jovi, Kanzler Kohl, dem
Schweinchen namens Babe oder von Humphrey Bogart. Der
Trick ist, diesem Bild immer für ein paar Tage eine
Sprechblase zu einem wichtigen Sachverhalt zu verpassen:
"Zähler durch Nenner - cool ey!" oder
"Sag ich doch: konjugieren!", je
nachdem, was man sich einprägen will - und die Wirkung
ist verblüffend. Nicht zu kurz, sonst merkt man es sich
nicht, und nicht zu lange, sonst schaut man nicht mehr
hin. Knapp eine Woche sollte die Sprechblase hängen,
dann wird sie abgenommen - bis zur nächsten.
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2. Schreibtisch: Kern des
Arbeitsplatzes
- Voraussetzung für effektives Arbeiten ist ein
vernünftiger Schreibtisch in ausreichender Größe.
Für das häufig benötigte Material muss ausreichend
Platz sein: Übereinander liegende Blätter, in denen man
wühlen muss und die herunterfallen, sind nervig, und sie
erst von weiter weg herbeizuholen unterbricht die
Konzentration.
- Eine gute Lampe muss auf der linken Seite montiert
sein, damit die Schreibhand keinen Schatten auf das
Geschriebene wirft. Das Licht darf die Augen möglichst
wenig belasten, muss also hell, aber nicht grell sein. Am
besten ist eine schwenkbare Lampe.
In der Mitte vorne (A) befindet sich die eigentliche
Schreibfläche mit einer Unterlage aus angenehmen
Material - z.B. ein großer Papierblock. Diese Fläche
ist grundsätzlich völlig frei zu halten, sobald man
nicht arbeitet.
- Links von der Schreibfläche (B) muss Platz sein für
alles heute zu bearbeitende Material, also die Hefte
und Bücher zu den heutigen Hausaufgaben. So lässt sich
gleichzeitig das heutige Pensum überblicken und das
Material dazu leicht greifen.
- Hat man eine Aufgabe erledigt, wandert Heft und Buch nach
hinten. Hier ist die Ablagefläche für das
bearbeitete Material. Während vorne links der Stapel
schrumpft, wächst der Stapel hinten links (C).
- Stifte, Taschenrechner, Spitzer, Zirkel, Mäppchen
müssen gut greifbar sein. Direkt hinter der
Schreibfläche in der Mitte des Tisches (D) ist ein sehr
günstiger Platz für alles häufig Benutzte. Das Greifen
des notwendigen Gerätes muss leichtfallen und darf die
Konzentration nicht unterbrechen.
- Ebenso gehören ein Duden, Wörterbücher und
Lernkartei in die unmittelbare Nähe und müssen
leicht zu handhaben sein. Wenn man erst aufstehen und das
Buch holen muss, dann lässt man es zu oft und gewöhnt
sich an, die Schreibweise oder das unbekannte Wort für
"nicht so wichtig" zu halten.
- Auch sollte gut sichtbar eine Pinnwand am hinteren
Rand des Schreibtisches befestigt sein, die nur für die
zu erledigenden Aufgaben da ist. Für Fotos, Notizen und
Wettkampftermine wäre eine zweite Pinnwand irgendwo im
Zimmer notwendig.
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Die Zeiteinteilung
1. Planungsphase: "Teile und herrsche!"
Zuerst legt man sich alles zurecht,
was für die Hausaufgaben benötigt wird. Vorne links auf
dem Schreibtisch wird alles so deponiert, dass man nur
noch zugreifen muss. Für einige ist es
selbstverständlich, dies unmittelbar vor dem
eigentlichen Arbeiten zu tun, viele fühlen nun aber
einen Berg von Arbeit vor sich liegen. Dann sollten sie
diese Vorbereitung deutlich vor den Hausaufgaben
durchführen, z.B. schon vor dem Mittagessen, und vor
allem auch die nächsten Punkte beachten. Denn:
"Teilst Du nicht, verlierst Du!"
- Für jede Aufgabe wird ein kleiner Zettel
beschriftet und die voraussichtlich benötigte Zeit
notiert ("Mathe: 3 Aufgaben, 15 min"). Dieser
kommt an die Pinnwand, die sich auf dem Schreibtisch
befindet. Dies ist für viele ein besonders hilfreicher
Trick: Denn erstens hilft es bei der Konzentration: Mal
sehn, ob ich das wirklich in 15 Minuten erledigt habe.
Und zweitens kann man nach jeder erledigten Aufgabe einen
Zettel abreißen und verstärkt damit das Gefühl: Wieder
was erledigt! - "Teile und herrsche!"
- Dann sollte man sich noch über die Reihenfolge
klar werden. Für einige ist es sehr hilfreich, mit einer
leichteren Arbeit anzufangen und nach dem ersten
Erfolgserlebnis sich die schwierigste vorzunehmen.
Daneben ist ein Wechsel von mündlichen und schriftlichen
Aufgaben sinnvoll.
- Die Planungsphase dauert höchstens fünf bis zehn
Minuten - sonst macht man etwas falsch. Ich will
schließlich keine zusätzliche Arbeit schaffen, sondern
durch diesen Aufwand Zeit einsparen - und diese
fünf Minuten machen sich schnell bezahlt! Natürlich
dauert es am Anfang etwas länger, bis man sich daran
gewöhnt hat und alles griffbereit da liegt.
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2. Zeitrahmen setzen
- Feste Arbeitszeiten fördern die Konzentration:
Jetzt ist Lernen dran. Dabei ist zu beachten, dass jeder
Mensch einen messbaren Biorhythmus besitzt. Die meisten
Menschen haben eine Leistungsspitze am Vormittag von
ungefähr 9 bis 11 Uhr und eine zweite am Nachmittag von
ungefähr 17 bis 19 Uhr. Dies wäre für die Hausaufgaben
die ideale Zeit. Die meisten Schüler machen vermutlich
zwischen 13 und 15 Uhr, in ihrem Leistungstief, die
Hausaufgaben.
- Ich weiß: Es gibt Probleme mit Terminen und
Verabredungen. Um 16 Uhr will man bei Freunden sein -
oder der Klavierunterricht beginnt. Zumindest muss das
Problem erst einmal ernst genommen werden. Man beobachte
sich selbst, wann man leistungsfähig ist, und man
versuche, zu festen Zeiten zu arbeiten.
- Wer Schwierigkeiten mit dem effektiven Erledigen der
Hausaufgaben hat, für den stellt sich die Frage: Kompromiss
oder optimale Lösung. Bin ich ein Überflieger, der
mit halber Kraft die Schule schafft? Ist das
Fußballtraining wichtiger als die Hausaufgaben? Brauche
ich dafür mein Leistungshoch? Komme ich mit einem
Kompromiss aus: 15 bis 17 Uhr Hausaufgaben - kein Termin
vor 17 Uhr?
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3. Pausen ernst nehmen!
Pause ist Arbeitszeit.
Klingt komisch, ist aber wahr. Eine Klasse von mir hat
das mal ausprobiert: Sie haben
"Rechenmanschaften" gebildet, die gleich stark
waren (so wie oft Mannschaften im Sport gebildet werden).
Die eine hat 60 Minuten ohne Pause gerechnet, die andere
hat insgesamt 10 Minuten Pause gemacht. Bedeutend mehr
richtige Lösung hatte die Pausengruppe, die ja nur 50
Minuten gerechnet hat.
- Natürlich ist Pause nicht gleich Pause. Wer lernt,
arbeitet mit dem Kopf. Zeitunglesen oder Computerspielen
ist dann keine Erholung! Pause heißt Abwechslung,
Bewegung, Gespräche, Aufräumen, Blumengießen oder
Zähneputzen. Vorsicht vor zu angenehmen
Beschäftigungen, die Rückkehr fällt schwerer!
- Ist die Pause zu kurz, ist man nicht erholt. Macht man zu
lange Pause, ist man "raus" und hat keine Lust
zum Weiterarbeiten. Die Dauer der Pause ist sehr
wichtig.
| Pausen-Typ |
Dauer |
Unterbrechung des Lernens |
| Unterbrechung |
1 Minute |
nach 10 Minuten; nach Bedürfnis |
| Mini-Pause |
5 Minuten |
nach 30 Minuten |
| Kaffee-Pause |
15-20 Minuten |
nach 2 Stunden |
| Erholungspause |
1 bis 2 Stunden |
nach 4 Stunden |
- Nach der Schule steht also die Erholungspause von ein bis
zwei Stunden an. Für die jungdynamischen Schüler mag
ein längerer Schulweg und das Mittagessen bereits
ausreichen, ich warne jedoch vor zu schnellem Beginn ohne
richtige Erholung. Zu leicht lässt man sich von der
Aussicht, Freunde zu treffen, davon abhalten, sich vorher
richtig zu erholen und energievoll mit den
Aufgaben zu beginnen: Voller Bauch studiert nicht
gern!

- Fast immer werden die Pausen während der Arbeit
vernachlässigt, um schneller fertig zu sein. Das
Gegenteil ist aber der Fall: Ohne Pause dauert es
länger! Vor allem 1-Minuten-Pausen fördern die
Konzentration: Zurücklehnen, nicht aufstehen, aus dem
Fenster schauen und versuchen, nicht an die Aufgaben zu
denken. Nach einer halben Stunde für 5 Minuten das
Fenster aufmachen, in die Küche gehen und ein Glas Saft
trinken - etwas in der Art, aber lüften.
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Methode des zeitgesteuerten
Auswendiglernens
1. Das Gedächtnis
Die wichtigste Aufgabe des Gedächtnisses ist das Vergessen.
Wir würden verrückt (wirklich!), wenn wir uns an alles erinnern
würden, was wir wahrnehmen. Das Gedächtnis schottet sich in
drei Stufen ab:
- UKZG - Das Ultrakurzzeitgedächtnis ist vergleichbar mit
Wellen auf dem Teich: Ein Sinneseindruck ruft die
Schwingungen hervor, und nach ungefähr 20 Sekunden sind
die Wellen verebbt; die Information ist verloren.
- KZG - Das Kurzzeitgedächtnis speichert die Information
in einem "weichen" Molekül, es kann z.B. mit
einer Kartoffel für den Kartoffeldruck verglichen
werden. Nach ungefähr 30 Minuten ist es
"verschrumpelt" und die Information verloren.
- LZG - Im Langzeitgedächtnis geht nichts mehr verloren,
ein "festes" Molekül beinhaltet die
Information; es kann aber verschüttet und durch andere,
"wichtigere" Informationen überlagert werden.
Sie ist noch da, wir "finden sie nur nicht".
Man merkt sich sofort, was für den Alltag wichtig ist. Bilder
und Geschichten kann man sich leichter merken als Silben und
Wörter. Gezielt und absichtlich kann man eine Information ins
LZG bringen, indem man sich bewusst erinnert, kurz bevor sie
vergessen ist. Das Gedächtnis begreift dann, dass sie
wichtig ist, und setzt sie in die nächste Gedächtnisstufe:
"Die Welle formt einen Druckstock, der Druckstock druckt
direkt ins Hirn."
Aber auch im Langzeitgedächtnis kann man den Zugriff und
damit das langfristige Erinnern gezielt ermöglichen, indem man
in größer werdenden Zeitabständen wiederholt. Sinnvoll ist
eine Verdoppelung der Abstände: 1 Tag, 2 Tage, 4 Tage, 8 Tage,
16 Tage - Schluss!
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2. Gedichte auswendig lernen
Gedichte und Balladen lassen sich mit dem zeitgesteuerten
Lernen in unglaublich schnell ins Gedächtnis bringen. Man muss
nur etwas Gefühl für die Zeiten der Gedächtnisstufen
entwickeln und mit voller Konzentration zu Werke gehen.
- So lassen sich meist zwei Zeilen laut sprechen und direkt
auswendig wiederholen, wobei man nach oben schauen
sollte. Sie sind dann sicher im UKZG, also für ungefähr
20 Sekunden.
- Dies lässt Zeit für sagen wir mal drei
"Zweierpakete" von Zeilen - nicht zu viel, wenn
es mehr als 20 Sekunden dauert, sind die ersten Zeilen
vergessen! Dann wiederholen wir die 6 Zeilen - sie sind
dann sicher im KZG, für ungefähr eine halbe Stunde.
- Von solchen 6er-Paketen können wir locker 5 bis 6
lernen, in den zwei Schritten wie zuvor. Das ganze dauert
ungefähr 8 Minuten. Wichtig ist dann eine Pause, damit
das Wiederholen nicht zu leicht fällt, von sagen wir mal
5 bis 10 Minuten (Eieruhr stellen!). Dann wiederholen wir
die 30 Zeilen noch mal im Zusammenhang, womit wir sie im
LZG haben.
- Zum ersten Festigen sagen wir sie uns nach einigen
Stunden nochmals auf, am besten vor dem Schlafengehen.
Auch in den folgenden Tagen sollten wir die Zeilen mal
zur Wiederholung vor uns hin sprechen oder jemandem
vortragen, zum "Einschleifen".
Es ist wirklich verblüffend, wie sicher das Wiedergeben
klappt. Wenn man eine Zeile vergessen hat, kann es entweder zu
lange gedauert haben oder die Konzentration ist nicht groß
genug. Aber insgesamt verblüfft das zeitgesteuerte Lernen so
sehr, dass einige meiner Schüler von einem
"Wundermittel" gesprochen haben, als wir im Chor
gesprochen und still auf Kommando wiederholt haben.
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3. Vokabellernen aus dem Buch
Wer gut Vokabel lernen kann, hält sich meist automatisch an
die Zeiten der Gedächtnisstufe:
Man liest eine Vokabel und wiederholt sie im Kopf (sie ist im
UKZG). Wer dies zu lange, z.B. mit 10 Vokabeln hintereinander
macht, hat die ersten schon vergessen (UKZG: 20 Sekunden). Man
beschränkt sich aus Erfahrung auf vier bis sechs Vokabeln, bevor
man diese mit abgedeckter Übersetzung wiederholt. Dann prägt
man sich die nächsten vier bis sechs Vokabeln ein. Ist man
mit allen zu lernenden Vokabeln durch, hat man sie alle im KZG
(30 Minuten). So systematisch geht das auch schnell - 25 Vokabeln
sind in 5 Minuten im KZG!
Manche fragen sich dann eine viertel Stunde lang "kreuz
und quer" ab - es ist aber nicht sicher, ob man sie dann in
zwei Stunden noch weiß. Viel wirksamer (und weniger Arbeit!)
ist es, jetzt zehn Minuten Pause zu machen (Eieruhr!) und dann
alle noch einmal zu wiederholen (3 Minuten!). Der Trick ist,
dass man sie nach der Pause noch weiß, das Gedächtnis sich aber
anstrengen muss, um sie zu erinnern. Dadurch hält es die
Information für wichtig und setzt sie in die nächste
Gedächtnisstufe, ins LZG. Dann weiß man sie garantiert auch
noch am nächsten Tag!
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4. Aufgabe der Lernkartei
Wer gut Vokabeln lernen kann und nur für die nächste Arbeit
lernt, der braucht keine Lernkartei.
Wer aber in der Oberstufe einen großen Wortschatz und gute
Noten haben will oder wer für sich und seine Sprachkenntnisse
lernt, der sollte die Lernkartei benutzen. Mit ihr wird die
Vokabel oder eine andere Information in größer werdenden
Zeitabständen wiederholt und gezielt im LZG verankert.
Dadurch kann man sich auf Jahre hinaus sicher an die Vokabel oder
an die Information erinnern.
Die Lernkartei ist ein Karteikasten mit fünf Fächern, die
jeweils doppelt so groß sind wie das vorhergehende: 1 cm, 2 cm,
4 cm, 8 cm, 16 cm, sie ist also ein 31 cm langer Karteikasten.
Gedacht ist daran, dass es dabei doppelt so lange dauert, bis ein
Fach voll ist, und dann dieses wiederholt wird. Das Problem dabei
ist, dass man nicht immer gleichmäßig viele Karten lernt oder
wiederholt; man müsste eigentlich auf jede Karte ein Datum
schreiben und dies bei jedem Wiederholen erneuern. Es geht aber
auch etwas weniger genau, indem man abschätzt, wie lange die
Karten schon in dem Fach liegen.
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5. Arbeiten mit der Lernkartei
Auf die Vorderseite der Karteikarte kommt immer die Frage, auf
die Rückseite die Antwort.
- Bei Vokabeln: Vorderseite - deutsches Wort,
Rückseite - Übersetzung.
- Für Geschichte: Vorderseite: Wann wurde Karl der
Große gekrönt? Rückseite: im Jahr 800.
- Für Rechtschreibung: Vorderseite: ? (= bitte
diktieren); Rückseite: ein Wort, das man falsch hatte.
Das sorgfältige Beschriften (!) der Karteikarten
genügt oft schon, um die Karte am nächsten Tag noch zu kennen
(das Lernen aus dem Buch wird überflüssig, man schaut noch mal
durch die neuen Karten).
Beim Karteikasten ist das kleinste Fach das Fach 1, und man
stellt den Karteikasten so, dass Fach 1 vorne und das
größte Fach, das Fach 5, hinten ist.
- Neue Karten steckt man in das Fach 1 des Karteikastens
und wiederholt sie am nächsten Tag. Man liest dabei die
Vorderseite, beantwortet die Frage und kontrolliert mit
Hilfe der Rückseite, ob die Antwort richtig war. Jede
richtig beantwortete Karte wandert ins Fach 2, hinter
die Karten, die schon darin sind. Jede falsch
beantwortete Karte bleibt im Fach 1, auch hinten
anstellen.
- Ist das Fach 2 voll (oder sind die vordersten Karten
schon mindestens drei Tage darin), so wiederholt man die vordere
Hälfte der Karten das Fachs 2. (Vorne stehen ja die
"alten", hinten die "frischen" -
damit man nicht zu schnell wiederholt, darf man nur die
"alten", also die vordere Hälfte der Karten
wiederholen!) Jede richtig beantwortete Karte wandert in
Fach 3 hinter die Karten, die schon darin sind, jede
falsch beantwortete Karte landet wieder im Fach 1, damit
sie am nächsten Tag wiederholt wird. Dadurch fischt man
sich schwierige gut heraus, die leichten laufen durch -
man lernt gezielt das nötigste, mit dem
kleinstmöglichen Aufwand.
- Ist das Fach 3 voll (oder sind die vordersten Karten
schon mindestens 6 Tage darin), so wiederholt man die
vordere Hälfte der Karten des Fachs 3. Jede richtig
beantwortete Karte wandert in Fach 4 hinter die Karten,
die schon darin sind, jede falsch beantwortete Karte
landet wieder im Fach 1, damit sie am nächsten Tag
wiederholt wird. usw.
- So verfährt man auch mit den weiteren Fächern: Aus Fach
4 ins Fach 5 - oder zurück in Fach 1. Aus Fach 5 raus
aus dem Kasten - oder zurück in Fach 1. Fertig
bearbeitete Karten kann man zerreißen, man kann sie aber
auch sammeln, um den Berg der gelernten Karten wachsen zu
sehen (sehr wichtig!) oder um anderen mal zu zeigen, wie
gut man auch noch "alte" Vokabeln weiß!
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6. Rechtschreibung mit
der Lernkartei
Für jeden Fehler der Rechtschreibung nehmen wir eine eigene
Karte. Auf die Vorderseite schreiben wir ein großes Fragezeichen
als Hinweis, dass uns diese Karte von jemandem diktiert werden
muss. Auf die Rückseite schreiben wir die richtige Schreibweise
und unterstreichen die Stelle, an der wir den Fehler gemacht
haben.
Einfache Fehler
Bei Wörtern, die immer so geschrieben werden, genügt es, nur
das Wort auf die Rückseite der Karteikarte zu schreiben. Dies
ist oft der Fall, wenn der Fehler im Inneren des Wortes
aufgetaucht ist.
| Beispiele: |
Vorderseite |
Rückseite |
| Fehler: einfaches "l": |
? |
vielleicht |
| Fehler: "v" statt "f": |
?
|
fertig |
| Fehler: "mpf" statt "nf": |
? |
Vernunft |
| Fehler: "ch" statt "sch": |
? |
erwischt |
Fehler mit Erklärung
Bei vielen Fehlern können wir uns die richtige Schreibweise
erklären, indem wir eine Regel dazu schreiben oder eine
Wortform, in der wir den richtigen Buchstaben besser hören. Je
mehr Regeln wir kennen, desto besser können wir uns die
Schreibweise erklären.
| Beispiele: |
Vorderseite |
Rückseite |
|
| Fehler: "eu" statt "äu": |
?
|
häufig |
(Haufen) |
| Fehler: "t" statt "d": |
? |
Wald |
(Wälder) |
| Fehler: "t" statt "d": |
? |
tödlich |
(führt zum Tode) |
| Fehler: klein statt groß: |
? |
Umleitung |
(alle Wörter auf -ung groß!) |
Kontextfehler
Bei vielen Wörtern hängt es vom Kontext (der Text
"drumrum", der Zusammenhang) ab, wie das Wort
geschrieben wird. Dann müssen wir auch aus dem Text, in dem wir
den Fehler gemacht haben, den Kontext mit abschreiben - so viel
wie nötig, aber so wenig wie möglich. Bei vielen Fehlern der
Groß-/Klein-Schreibung ist ein Zusammenhang notwendig!
| Beispiele: |
Vorderseite |
Rückseite |
| Fehler: "d" statt "t": |
? |
seit zwei Tagen |
| Fehler: klein statt groß: |
?
|
Er sagt, dass Schwimmen Spaß macht. |
| Fehler: "n" fehlt: |
? |
eine Höhe von einhundert Metern |
| Fehler: groß statt klein: |
? |
die Dame von gegenüber |
Zeichensetzung und da(s/ss)
Bei falscher Zeichensetzung schreiben wir auf die Vorderseite
als Überschrift "Setze alle Zeichen"
(S. a. Z.) und als Text den vollständigen Satz,
allerdings ohne ein einziges Satzzeichen. Ein falsches da(s/ss)
kann auf der Vorderseite exakt so wie hier geschrieben werden.
Auf die Rückseite schreiben wir den gleichen Satz, aber mit
allen Satzzeichen und der richtigen Schreibweise von
"das" oder "dass". Nicht vergessen, die
Stelle zu unterstreichen, an der wir den Fehler gemacht haben!
Beispiel-Fehler: Ein fehlendes, ein überflüssiges Komma
und zweimal falsche Schreibweise von "das/dass"
V: Die Kinder spüren da(s/ss) nicht nur da(s/ss) Empfangen
von Geschenken erfreut sondern da(s/ss) auch da(s/ss) Geben
glücklich macht
R: Die Kinder spüren, dass nicht nur das Empfangen
von Geschenken erfreut, sondern dass auch das
Geben glücklich macht.
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